Nicht das einzige Auto in der Stadt: Die ostdeutsche Automobilindustrie jenseits des Trabant

Autoliebhaber und Techniker lieben motorisierte Fahrzeuge aus vergangenen Epochen, darunter die ehemalige sozialistische DDR – und das sollten sie auch! Schließlich produzierte die DDR einige begehrte Sammlerstücke. Der Trabant ist wahrscheinlich die einzige Marke aus dieser Zeit, an die sich jeder erinnert. Aber es war keineswegs das einzige Auto, das ostdeutsche Autobahnen und Nebenstraßen schmückte. Andere Modelle wie EMW und Wartburg sind längst aus der Erinnerung verschwunden. Höchste Zeit, denken wir, sie in einem Blogbeitrag zu feiern.

Das ikonischste Relikt der DDR: der Trabant

Der Trabant, bei vielen Fans liebevoll „Trabi“ genannt, ist wohl das ikonischste Relikt der DDR. Im öffentlichen Werk in Zwickau begann 1958 die Produktion. Der Trabant, den man als Antwort der DDR auf den Käfer feierte, war der erste serienmäßig hergestellte Pkw des sozialistischen Staates. Der Prototyp des Trabant P50 war vorne mit einem Zweitaktmotor ausgestattet und groß genug für vier Personen plus Gepäck. Spätere Modelle wurden mit Liegesitzen und einem Klappdach für Campingfahrten oder sogar mit einem leistungsstarken Motor und einem für den Motorsport geeigneten 5-Gang-Getriebe ausgestattet.

Alle DDR-Bürger über 18 Jahren konnten sich für einen brandneuen Trabi zum Kaufpreis von rund 14.000 Mark anmelden. Kaufinteressenten setzt man auf eine Warteliste, die ihnen viel Zeit zum Sparen gibt. Bei Wartezeiten von zwölf bis 17 Jahren ist es kein Wunder, dass viele Menschen ambivalente Gefühle gegenüber ihren Trabis hatten. Kreative Spitznamen wie „Rennpappe“, „Duroplast Bomber“ und „Sachsenporsche“ zeugen von dieser Hassliebe. Als der letzte Trabi 2002 das Werk verließ, wurden insgesamt 3,1 Millionen Fahrzeuge an ihre stolzen Besitzer ausgeliefert. Fast fünfzehn Jahre später erfreuen die charismatischen Autos weiterhin ihre weltweite Fangemeinde.

Wartburg und EMW: Die DDR war keine Ein-Auto-Nation

Die formschöne Karosserie und das zeitgenössische Design gaben der Wartburg einen deutlichen ästhetischen Vorteil gegenüber anderen ostdeutschen Autos. Benannt nach dem gleichnamigen Schloss im thüringischen Eisenach, wo man zwischen 1956 und 1991 rund 1,6 Millionen Fahrzeuge im öffentlichen Werk montierte, galt die Wartburg als Premiummarke und war weitgehend einer elitären Kundenbasis vorbehalten, zu der neben der ostdeutschen Polizei auch Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft gehörten. Es gab auch ein Wohnmobil mit Klappdach und hinteren seitlichen Fensteranbauten.

Mit einem robusten und schlichten, aber dennoch stilvollen Design mit emblematischem Kühlergrill und rot-weißem Logo an der Vorderseite findet man die Cabrios und Coupés des Eisenacher Motorenwerks (EMW) vor. Die Produktion wurde in Eisenach aufgenommen und später nach Dresden verlegt. Die Modelle EMW 327 und 340 wurden als besonders wünschenswert erachtet.

Neben diesen drei großen Marktteilnehmern umfasste der ostdeutsche Automobilmarkt auch andere inländische Marken wie Sachsenring und Melkus sowie Importe aus den benachbarten osteuropäischen Ländern.

Ostdeutsche Autos: eine wertvolle Investition

Aufgrund des geringen Produktionsvolumens, der hohen Nachfrage und der langen Wartelisten wurden Autos in Ostdeutschland als wertvolle Investition angesehen. Privat verkaufte Gebrauchtwagen erzielten den doppelten Preis für ein neues Fahrzeug minus 1.000 Mark pro Jahr auf der Straße. Auch die Beschaffung von Ersatzteilen war extrem schwierig, so dass die Besitzer ihre Autos so wenig wie möglich benutzen würden, um Unfälle und Verschleiß zu vermeiden. Populäre TV-Sendungen wie „Verkehrsmagazin“, „Verkehrskompaß“ und „Fahrpause“ gaben praktische Ratschläge zu automobilen Themen wie Reparatur und Verkauf von Gebrauchtwagen.

Der französische Modellbauer Éditions Atlas, der sich nicht an Investoren, sondern an Sammler richtet, hat kürzlich eine Modellauto-Linie zum Thema DDR veröffentlicht. Im Maßstab 1:43 gestalteten die technischen Experten die Repliken auf der Grundlage umfangreicher Recherchen detailgetreu. Die Kollektion zeigt die stolzesten Leistungen der ostdeutschen Automobilindustrie, darunter Meilensteine wie das EMW 327-2 Cabriolet, die Trabant P 50 Limousine und der Wartburg 311 Camper.

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